Man sollte sich von einem Menschen überraschen lassen und entdecken, welches Potential in ihm steckt.
Jahresmotto der HVS aus: "Das Leben ist ein Pilgerweg" von Abt Odilo Lechner, OSB

 

Von wegen: Die Buben sind die schlechteren Leser

Beim diesjährigen Schulentscheid im Rahmen des Vorlesewettbewerbs des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels, der um diese Jahreszeit in der ganzen Bundesrepublik in allen 6. Klassen durchgeführt wird, siegte an unserer Schule Lucas Zewel aus der Klasse 6a. Von den sechs Kandidaten, die zuvor in ihren Klassen jeweils die ersten Plätze belegt hatten, waren dieses Mal vier Knaben. Ein erstaunlicher Wert in einer vermeintlich und üblicherweise von Mädchen dominierten Disziplin – dem Lesen.

lesewettbewerb11

In einer recht gelungenen Veranstaltung gaben alle „Vorleser“ ihr Bestes, um die  aufmerksamen Zuhörer (alle Klassenkameraden aus der 6a und 6b) zu fesseln und die Jury von ihren Fähigkeiten in punkto Textverständnis, Lesetechnik und Textgestaltung zu überzeugen. So lagen dann auch alle Kandidaten in der Punktewertung recht eng beieinander, nur der Schulsieger konnte sich im Gesamtergebnis aus vorbereitetem Text und unbekannter Textstelle ein wenig von seinen Konkurrenten absetzen.

Rektor Franz Kellner lobte dann auch alle Teilnehmer für ihren Mut, sich vor so einem großen Publikum zu präsentieren und sich im Wettstreit mit anderen zu messen. Allein durch diese Tatsache seien alle Teilnehmer bereits Sieger über ihre eigene Nervosität und das verständliche Lampenfieber bei so einem Auftritt vor einem kritischen Publikum. „Ich glaube, dass euch diese Erfahrung von heute in eurem weiteren Leben wirklich weiterhelfen kann“, erklärte der Schulleiter. „Denn, wenn sich einer vor so vielen Menschen aufzutreten traut, dann hat er auch was zu sagen. Und wenn einer was zu sagen hat, dann kann er es auch zu etwas bringen, z.B. später im Beruf zum Vorarbeiter, zum Teamleiter, zum Meister oder sogar zum Chef. Darum sind solche Veranstaltungen wie der Vorlesewettbewerb auch sehr gute Trainingsmöglichkeiten für die Persönlichkeitsentwicklung eines Schülers.“

Herr Schröder, der traditionell als Mitglied des Elternbeirats in der Jury mitwirkte und abschließend die sechs Klassenbesten mit einem Buchgeschenk des Elternbeirats bedachte, um dadurch das große Interesse der Elternschaft an der Leseförderung der Kinder zu unterstreichen, lobte vor allem auch das sehr disziplinierte Verhalten der Zuhörerschaft, das er so nicht erwartet hätte, da es ja immer heiße, dass die jungen Leute nicht still sitzen und nicht konzentriert zuhören könnten. Er meinte, dass dies nach seiner heute gemachten Erfahrung vielfach auch ein Vorurteil sei, wie auch die Meinung, dass die Buben die schlechteren Leser seien.